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zu Anna Maria Brandstätters Serie "Medaillons"

Anna Maria Brandstätter

 

1977 in Amstetten geboren

lebt und arbeitet in St. Nikola

 

www.annamariabrandstaetter.com

 

 

 

 

 

Abbildung: c) Anna Maria Brandstätter

In ihrer  Werkserie „Medaillon“ wählt Anna Maria Brandstätter den Kreis als Begrenzung ihrer Federzeichnungen. Die Inspiration für diese Form liegt in ihrer unmittelbaren Umgebung: Das Margaretenfenster in Stift Ardagger. Das spätromanische Glasfenster (dat. 1230 - 1240) erzählt in vierzehn Medaillons die Geschichte der Hl. Margareta von Antiochia. Es überdauerte die Jahrhunderte an seinem angestammten Ort in der Kirche des ehemaligen Stiftes und ist das zweitälteste erhaltene Glasfenster in Österreich.

 

Der Kreis – und somit die Rundscheibe - ist seit der Antike die vollkommene Form und ein Zeichen für Unendlichkeit: Weder Anfang noch Ende liegen ihm zugrunde. Diese gedankliche Verknüpfung führte zum Prägen bzw. Gestalten diverser Medaillen, die an einen Menschen oder ein Ereignis erinnern und somit seine Geschichte „lebendig“ erhalten sollten. Der Begriff des „Medaillon“ ist schließlich die sprachliche italienische Ausprägung der „Großen Medaille“. Wird nun eine Szene, Episode oder ein Mensch inmitten dieses Formates präsentiert, so weiß man um deren Bedeutung und Besonderheit.

Anna Maria Brandstätter greift nun auf diese geschichtsträchtige Form zurück.

Organische Strukturen wachsen darin, ornamentale Formen erinnern an Intarsien. Feine Linien verdichten sich zu fell- oder pelzartigen Flächen. Die Farben changieren, wo die Tusche lavierend aufgetragen wird. Ähnlich wie in der Malerei arbeitet die Künstlerin mit Untermalungen, um andernorts satt leuchtende Farbaufträge zu erzeugen.

 

Die runde Form ist wie ein Brennspiegel, der den Blick des Betrachtenden lenkt und fokussiert.

Aber anders als in klassischen Medaillons wird bei Brandstätter nicht der Mensch, sondern vielmehr die Natur in das Zentrum der Bilderzählung gesetzt.