
Peter Schmiedel
1929 in Dresden geboren
1950 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin,
ab 1971 Lehrbeauftragter an die Hochschule für Bildende Künste Berlin
1997 in Hall bei Admont (Ö) gestorben
Den künstlerischen Nachlass verwaltet die
Galerie Kopriva in Krems
OHNE TITEL, 1982
Mischtechnik auf Leinwand
135 x 115 cm
Abbildung: c) Galerie Kopriva Krems
Sein Werk ist nach seinem Tod 1997 nie ganz aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden, aber doch verflachte das Interesse daran. Peter Schmiedel war ein informeller Künstler, der sich in seinem Oeuvre konsequent auf die Grundfarben Rot, Gelb und Blau fokussierte. Gelegentlich ergab sich ein Grün aus den Überlagerungen von Gelb und Blau oder – wenn gleich äußerst selten – als Mischung auf dem Bildträger gesetzt. Bemerkt man in seinen frühen Arbeiten ein Akzentuieren mit Schwarz oder vereinzelte Abmischungen in Violett oder Braun, verschwindet dieses jedoch völlig in späteren Werken.
Betrachtet man Peter Schmiedels Oeuvre so wird gewahr, dass einzig das Aquarell eine malerische Konstante bildete, die der deutsche Kunsthistoriker Eberhard Roters als das „Kraftzentrum seines Werks“ und auch den Ursprung für sein späteres bildnerisches Gestalteni bemerkte. Der Künstler selbst äußerte sich ebenfalls: „das wesen des aquarells ist nicht die schnelligkeit, aber die leichtfüßigkeit, die leichtflüssigkeit, das heitere fließenlassen als agens und gebärde. ein wenig lustigkeit, aber auch strenger satz, transparenz und ein rhythmus, der aus atmen, sehen und handbeweglichkeit hervorkommt.“ii
Dagegen ist die differenzierte Intensität der Farbnuancen seiner Arbeiten auf den unterschiedlichsten Stoffen oft der angewandten Technik geschuldet: So arbeitete der Künstler in Mischtechniken mit Kunstharz, Acryl- und Temperafarben, die nicht nur aufgrund der Beschaffenheit und Saugfähigkeit des Maluntergrundes, sondern auch je nach Phase seines Schaffens, sich stärker deckend oder sehr lasierend zeigen.
i Eberhard Roters, Farbe als schwerelose Erscheinung, Peter Schmiedel zum 65. Geburtstag, in: Peter Schmiedel, Aquarelle, Arbeiten aus vier Jahrzehnten, Liezen 1994, o .Seitenangabe
ii Peter Schmiedel, aquarell – die nasse farbe, in: Peter Schmiedel, Aquarelle, Arbeiten aus vier Jahrzehnten, Liezen 1994, o. Seitenangabe
OHNE TITEL, 1989, Aquatec auf Baumwolle, 90 x 115 cm
Peter Schmiedel gilt als informeller Künstler, der in seiner Gegenstandslosigkeit sich dem Wesen der Farbe verschrieb und bezeichnete seine Arbeiten meist mit „Ohne Titel“. Manches mal jedoch titulierte er vereinzelt mit „Bild“ oder „Farbenschmiede“. Dagegen finden seine Aquarelle Bezeichnungen wie „Wolkige Formen“, „Lichtstreifen“, „So heiß – so kühl“ oder „Tanzende Farben“ und zeugen von unterschiedlichsten Annäherungen und Inspirationsquellen seines malerischen Schaffens auch innerhalb etwa der Naturwiedergabe in Form von Wolken. Eberhard Roters analysierte: „Nur soviel: Seitdem Schmiedel im Sommer jährlich in der österreichischen Gebirgswelt verbringt, schlagen sich die Landschaftseindrücke auch in seinen Gemälden und Aquarellen nieder.“ Gerade in seiner letzten malerischen Phase sah Eberhard Roters im Aquarell „...das ist ein atmosphärischer Abglanz der Bergwelt.“i Der gebürtige Dresdner und in Berlin tätige Künstler war gegen Ende seines Lebens endgültig nach Hall bei Admont (Steiermark) übersiedeltii.
i Eberhard Roters, ebenda.
ii Seine besondere Beziehung zu Österreich manifestiert sich auch in der ständigen Präsenz seiner sechs Aquarelle im Clubraum des Speisesaales des Bildungshauses St. Virgil in Salzburg.
OHNE TITEL, um 1988, Aquatec auf Baumwolle, 65 x 65 cm
Peter Schmiedels analytische Herangehensweise beruhte auf Johann Wolfgang von Goethes „Zur Farbenlehre“ und dessen Erkenntnis über deren Wesen. Goethe erklärte das Phänomen der Farbe nicht nur physikalisch oder vom ästhetischen Standpunkt aus, sondern in seiner Gesamtheit erfassend. Sein Abschnitt „Physiologische Farben“ wird aufgrund seiner Studien zur Farbwahrnehmung anerkennend geseheni. Der Künstler schrieb selbst 1993: „das beste am blau ist dass es das blau gibt: blau ist blau“ii und damit sprach er in knappen Worten aus worum er diese Farbwahl wählte.
i https://de.wikipedia.org/wiki/Farbenlehre_(Goethe), 5. Oktober 2017
ii Peter Schmiedel, ebenda.
OHNE TITEL , um 1988, Mischtechnik auf Leinwand, 90 x 70 cm
Aufgrund seiner Konsequenz sich auf die drei Grundfarben zu fokussieren und auch über Jahrzehnte daran festzuhalten, meint man ihn mit dem nur wenige Jahre jüngeren Roland Goeschl und seinem Werk in Verbindungsetzen zu können. Jedoch lag beiden Künstlern ein differenziertes, künstlerisches Konzept zu Grunde und ein gedanklicher Konnex ist nicht gegeben.
Peter Schmiedel ist als Künstler des Informel – seit 1952 bereits in Deutschland verankerte Kunstrichtung – in seiner Ausdruckskraft trotz seiner reduzierten Farbwahl sehr vielfältig und dynamisch und gerade die Arbeiten der späteren Jahre leuchten in satten Farbnuancen. Es ist bemerkenswert welch dichtes Werk er hinterlassen hat und es wäre wünschenswert, dass dieser Künstler und sein Werk in der Öffentlichkeit präsent bleiben.